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Vampire V20 - Kinder der Revolution (PDF) als Download kaufen €19,99
Publisher: Ulisses Spiele
by Roger L. [Featured Reviewer] Date Added: 11/10/2015 03:32:00

Nach dem Neustart von Vampire:Die Maskerade in Form der Jubiläumsausgabe von Ulisses Spiele wird die Tradition der NSC-Sammlungen fortgeführt. Kinder der Revolution befasst sich mit Untoten, die in tumultigen Nächten erschaffen wurden. Revolutionärer Inhalt oder nur Geldmacherei? Fangzahnfreund Roger hat sich die PDF angesehen.

Rezension: Vampire Jubiläumsausgabe – Kinder der Revolution (V20D)

Der Neustart von Vampire: Die Maskerade lief auch im deutschen Crowdfunding gut und hat Veteranen, Nostalgen und Neuanfänger zu gleichen Teilen angelockt. Teil des Realisierungsumfanges durch Ulisses Spiele in der deutschen Version ist auch Kinder der Revolution. Die Übersetzung bringt achtzehn Kainskinder mit sich.

Alle sind auf die eine oder andere Art in laufenden Revolutionen, seicht oder aggressiv, erschaffen worden. Ist diese NSC–Sammlung wertvoll oder doch nur Geldmacherei? Die Vorgänger Who’s who among the Damned und Childen of the Inquisition hatten beschränkten Nutzen, aber brachten viele erweiternde Informationen für Spielleiter mit sich. Ist das nun hier auch so? Finden wir gar etwas so Anderes und Inspirierendes wie Ferox, den Gargylen mit wahrem Glauben?

Inhalt Das Quellenbuch wird eingeleitet von einer umfangreichen Liste, wer die Finanzierung auf welchem Level unterstützt hat, aber das will uns nicht interessieren. Reizvoller sind da schon die Worte zu den einzelnen Clans, welche Bedeutung Revolutionen für sie haben und weswegen sie zu diesen Zeiten gezielt neue Vampire erschaffen. Einige Überraschungen und zuvor so nicht oft durchdachte Implikationen schwingen in diesem Kapitel mit. Welches Faible sollten die Tremere für Revolutionen haben? Offenbar keine. Bedenkt man aber, dass diese ehemalige Blutlinie einen kompletten Clan ausgerottet hat, sich dann als Retter der Vampirschaft dargestellt hat und nun einer der führenden Clans der Camarilla ist, werden die Zusammenhänge und Zeitskalen deutlich.

Interessant sind vor allem die Ausführungen zu den herrschenden Clans Ventrue, Tremere, Toreador, Lasombra und Tzimisce. Hier können sich Spieler am ehesten bedienen, wenn es darum geht, einen Hintergrund für einen neuen Charakter zu erschaffen

Immerhin haben wir jüngst erst einige Revolutionen gesehen, deren endgültiges Ergebnis noch nicht klar ist. Als Beispiel nenne ich den arabischen Frühling. Als Merkmal der gesamten V20 herausstechend – und so auch hier – ist die direkte Bezugnahme auf (fast) aktuelle weltpolitische Ereignisse.

Danach geht es auch direkt los mit den NSCs. Von „ja, nette Idee, den kann ich verbauen“ bis zu „Gott, was für eine cheesy Mary Sue ist das denn?“ finden wir hier alles. Ich gehe kurz ins Detail.

Lados: Der Löwe von Baktrien– ein Malkavianer aus dem antiken Griechenland. Er hat eine ungewöhnlich niedrige Auspunktung für White Wolf/Onyx Path–NSCs dieses Alters. Ein etwas anachronistischer, furchtloser Soldat mit einem Herz für die vom Schicksal befleckten. Recht uninteressant. Sein Problem ist sein Anachronismus, der vor allem dadurch zu Tage tritt, dass er nicht realisiert, dass er seinen einstigen hohen Status als Mensch nicht mehr hat.

Lizette Cordoba: Die Blockupy-Poetin– Eine Toreador mit direktem Bezug zu aktuellen Ereignissen, entstammt sie doch der Occupy–Bewegung. Einer der Charaktere, der noch am ehesten in einer Kampagne zu verbauen ist. Interessant wird sie dadurch, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Vampiren nicht fest steht und statisch wird, sondern stetig sich weiterentwickeln will und das Feuer der Revolution in sich brennen spürt.

Der Nabatäer: Marionette der Uralten– Ein Lasombra, der zwischen den Fronten von Camarilla und Sabbat steht und seine Probleme hat, sich in der aktuellen Welt zurechtzufinden. Der Fokus auf seinen Erschaffer ist sehr hoch und durchzieht sein Streben. Nicht uninteressant und kann gut hinter einer größeren Intrige als Mittelsmann zu einem noch älterem Übel stehen.

Svein Fortinbras: Azrael – Satanischer-Vikinger-Setit. Oder auch einfach ein Mitglied einer Black Metal Band, im Krieg mit der Leopoldsgesellschaft und dem Rest der Welt. Als Soziopath hat er seine finsteren Seiten, aber ist überraschend ruhig in sich gekehrt. Nicht einfach zu verbauen – könnte sogar als Teilzeit-Allierter einer Spielrunde dienen.

Lady Margaret Willoughby: Hüterin des verlorenen Geheimnisses– Das ist ein so ungewöhnliches Konzept, dass es mir auf Anhieb gefiel. Es wirkt nur auf den zweiten Blick etwas schwach. Lady Margaret ist eine Tremere, die Gefangene des Sabbat war und nun dort bleibt, da sie nichts anderes mehr kennt. Ihr damit einhergehender Wahnsinn erinnerte mich etwas an die Rote Königin aus Alice im Wunderland.

Meixiu: Die Prinzessin des Schwarzen Drachens – Eine in der Nekromantie begabte Malkavianerin asiatischen Ursprungs, die auf der Suche nach einem legendären Buch ist, dem Bái Zé T. Klingt zuerst sehr cheesy und unnötig, hat aber Interessantes zu bieten. Reizvoll dadurch, dass das Tian’anmen-Massaker in ihrer Geschichte eine gewisse Rolle spielt.

Edgardo Robbia: Der Räuber – Der waffendealende Brujah, der Sabbat, Camarilla und Anarchen gegeneinander aufhetzt, um noch mehr zu verkaufen. Coole Idee, aber meiner Auffassung nach in der Welt der Dunkelheit nicht von besonders langer Existenzdauer geprägt.

Dastur Anosh: Der Seraph aus der Asche – Ein Assamit, uralt, sehr mächtig, ehemaliger Seraph der Schwarzen Hand, mit Feinden in der Tal’MaHera, der seine eigene Vernichtung vortäuschte und sich nun verstecken muss. Leider zu wenig Informationen über Karsh und Jalan-ajav. Der Pathos, der aus ihm spricht, wird nicht einfach von einem Spielleiter darzustellen sein, ohne dass es kitschig wird.

Laurette Morel: Die Kokette von Cannes – Eine Toreador aus der Kino-/Filmbranche, mit einer Vorliebe für morbides Material auf der Leinwand. Ob das mit ihrer nekromantischen Begabung zu tun hat? Historisch ist sie in der französischen Revolution verwurzelt und hegt noch viele dieser Ideale, ist aber im inneren Zwist gefangen. Eine interessante, eher gemäßigte Person, die zum Beispiel gut als Mitglied des Erstgeborenenrates taugt.

MaryAnn Fletcher: Die Henkersbraut – Das ist eines der interessanteren Konzepte, mit denen ich mir vorstellen könnte, eine eigene Spielrunde zu terrori… äh … bereichern. Die Nosferatu, die in den Nachwehen der Pulververschwörung erzeugt wurde, hat das Potential, zu einem echten Schrecken zu werden. Vor allem, da sie eine Archontin ist.

Nasch, der Tscherkesse: Schlange unter Königen – Ein Ventrue, der seinen Clan für die Setiten verriet und nun in Furcht vor den Folgen seines Handelns existiert. Hat mich nun nicht überzeugt. Mir fehlt vor allem eine klare Linie, was sein Handeln betrifft.

Marc de Brabant: Der Schattenprinz-Apostat – Ein Gangrel-Mönch. Habe ich so auch noch nicht gesehen - wieso nicht? Dennoch leider eher uninteressant.

Cheese-Alert! Roderigo al-Dakhil: Leichnam aus der toten Stadt - Ein Nagaraja (!), der es alleine schaffte, den Sabbat von seinem ursprünglichen Zweck fortzulenken und ihn zu dem unkoordinierten und von innerem Zwist zerfressenen Haufen zu machen, der er jetzt ist. Nun ja. Ich bin kein Freund von „Muahahahah – und in Wahrheit stehe ich hinter allem!“.

Andrew Seneca: Abgesandter der Lügen – Das Konzept fand ich wiederum sehr interessant. Es handelt sich um einen Ventrue, der als Mensch in der Sklaverei geboren wurde und als Vampir vehement dagegen kämpfte, anderen farbigen Sklaven die gleichen Rechte wie allen Amerikanern zu geben. Die Übersetzung von Ulisses Spiele beschreibt ihn mit der nötigen politischen Korrektheit. Ich denke, dieser NSC ist wirklich verwertbar.

Jaromir Cerny: Der Judas von Prag – Wieder etwas mit näherem Zeitbezug. Der Vampir der Tzimisce des alten Landes(!) hat sein ganzes Leben in der ehemaligen Tschechoslowakei dafür gearbeitet, den Kommunismus zu stürzen. Als Vampir dann endlich schaffte er es. Allerdings wird er heutzutage von der Camarilla gejagt. Die Aktivitäten als Hacker geben etwas moderne Würze zum Konzept hinzu.

Colm Oliver: Autarkis auf der Flucht – Total uninteressanter Brujah, wirkt fast wie eine Persiflage.

Cheese-Alert 2! Esperanza Lucifer: Teufelsliebchen – Weiterblättern. Schnell. Eine Lasombra-Piratin, die eine Legende ist und sich wie eine verhält. Großflächiger Mary-Sue-Charakter in der schlimmsten Interpretation.

Apacia: Die Königin der Gräber – Eine Kappadozianerin auf Seiten des Sabbat mit Fingern tief in der organisierten Kriminalität. Das Artwork passt überhaupt nicht zur Beschreibung. Die Verbindungen mit Sascha Vykos sind durchaus interessant. Dank ihres extrem hohen Alters könnte sie als Erzantagonistin herhalten.

Wie wir sehen, ist die Bandbreite enorm hoch. Ich betrachte das Buch generell als nett zu lesen, nett zu haben, aber keinesfalls als eines der Bücher, die man zwingend braucht.

Mit etwas innerer Unruhe schaute ich damals zur Veröffentlichung des englischen Originals, wie auch heute auf die Veröffentlichungspipeline von Onyx Path und erschrecke vor der Erinnerung, wie viel White Wolf damals auf den Markt geworfen hat und welche Quellenbücher dort bei OP bereits wieder angekündigt sind (teils als Kickstarter). Bislang hat Ulisses Spiele noch keine weiteren Übersetzungen angekündigt.

Da bleibt mir nur die Hoffnung, dass es nicht zu einem Ausrutscher wie Havens of the Damned („Schöner wohnen für Vampire“) kommt …

Preis-/Leistungsverhältnis Für ein Buch, das einen durchwachsenen Qualitätsstandard hat, bin ich erschrocken vom Preis. Meinem Empfinden nach würde ich den Preise senken, mindestens um 2 EUR. Wie bereits geschrieben, ist es eines der Bücher, die man haben kann, aber nicht muss. Keinesfalls. Dafür sind die NSC von zu wechselnder Qualität und Verarbeitbarkeit.

Erscheinungsbild Das vorliegende Rezensionsexemplar ist das deutschsprachige PDF. Erscheinungsbild und Aufbau ähneln vorherigen Veröffentlichungen der Spiellinie – das Frontcover in grünem Marmor hinterlegt, zentral aufgehübscht durch Artwork von Timothy Bradstreet, eben dem Illustrator, der Vampire seinen so bekannten Stil verliehen hat. Das Innenleben wirkt in Sachen Farbgebung pergamentartig und ist umrahmt von den ebenso typischen schwarzen Zierlinien, die an ein schmiedeeisernes Tor erinnern.

Während die einleitenden Worte noch in schwarzweiß gehalten sind, ändert sich das triste Layout, wenn es zu den NSCs kommt. Ein jeder von ihnen ist mit einer vollfarbigen Illustration bestückt und die dazugehörigen Texte sind hübsch auf beigem Grund mit zinnoberrotem Zierrahmen aufbereitet. Komisch ist nur, dass das Cover direkt zu Beginn zweimal in der PDF ist.

Das Inhaltsverzeichnis ist nicht anklickbar – und es fehlt der Aufbau in Schichten/Layers zum Druckerpatronen-freundlichen Ausdruck zu Hause. Dafür aber gibt es ein Verzeichnis von Lesezeichen zum Einblenden im Reader.

Bonus/Downloadcontent Uns ist kein weiterer kostenloser Inhalt bekannt.

Fazit Wir finden in Kinder der Revolution eine Sammlung von achtzehn Kainskindern, deren Konzepte sehr unterschiedlich sind. Leider bezieht sich das auch auf Qualität und Verwertbarkeit. Einige NSCs sind schlicht unnötig, gar dreist. Andere können sehr gut in kommenden oder laufenden Kampagnen verwertet werden.

Leider wurde die Tradition der hohen inhaltlichen Qualität von Who’s who among the Damned und Childen of the Inquisition nicht gehalten. Während in den beiden Büchern noch durchaus hochwertige Mover & Shaker beschrieben wurden, weist diese Spielhilfe fast nur Charaktere auf, die unter ferner liefen laufen würde. Ich bin etwas enttäuscht.

Wer NSCs sucht und deren Werte, kann sich deutlich besser an die diversen … bei Nacht/by Night-Quellenbücher halten. Abgesehen davon ist das Buch so wenig verwertbar, dass es einfach zu teuer ist, hübsches Artwork hin oder her.



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